NRW: Hochwasser im Bauhof

Im Juli 2021 verwüstete das Olef-Hochwasser Teile der Eifel. Die Katastrophe ereilte auch Menschen, die üblicherweise als Helfer im Einsatz sind: Der Bauhof Schleiden wurde zerstört, der Kreisbauhof Euskirchen war eine Nacht lang von der Außenwelt abgeschnitten. Die Teams erbrachten Extremleistungen und waren doch teils selbst Leidtragende. Die Fachzeitschrift „der bauhofLeiter“ berichtete über die dramatische Nacht und ihre Folgen.

Im Kreis Euskirchen erlitten neben Schleiden die Städte Bad Münstereifel, Kall und Euskirchen massive Schäden. Der Kreis verzeichnete die größten Zerstörungen „im Nahbereich der Flüsse bzw. Bäche Urft, Olef, Erft und Veybach“, teilte Pressesprecher Wolfgang Andres mit. Straßen, Brücken, Bahngleise, Häuser, Autos und weitgehend die Infrastruktur wurden zerstört. 26 Menschen starben durch die Katastrophe. Andres sagte: „Es hilft enorm beim Vorankommen, ruhig und organisiert an die Sache heranzugehen, trotz dieser katastrophalen Ausnahmesituation.“

Mitarbeiter einer Schicht des Kreisbauhofs Euskirchen mussten die Nacht vom 14. auf den 15. Juli im Bauhof verbringen, die Zufahrtsstraße war unpassierbar. Eine noch nie dagewesene Situation. Bei allen Gesprächen, die ich mit Bauhofleitern und dem Sprecher des Kreises Euskirchen führte, war zu spüren: Zusammenhalt und Besonnenheit halfen allen in dieser Ausnahmezeit. Die Stimmungslage schien durchdrungen von Zuversicht und Engagement. „Wir stecken nicht den Kopf in den Sand, sondern versuchen, mit der Situation klarzukommen und unser Bestes zu geben“, sagte etwa Rolf Jöbges, Teamleiter Tiefbau, Planung, Feuerwehr und Bauhof im Schleidener Rathaus.

Den Bauhof Schleiden gibt es nicht mehr, er fiel dem Olef-Hochwasser zum Opfer. In der Nacht von 14. auf 15. Juli trat der Fluss Olef über seine Ufer. „Gegen die Hochwasserflut konnte der Bauhof nicht geschützt werden“, sagte Rolf Jöbges. Erstmals seit Bestehen des Bauhofs, seit „mindestens 1972“ an diesem Standort, wurde dieser überflutet. Wasser und Schlamm reichten bis zu einer Höhe von 1,50 bis 1,80 Meter. Die Mitarbeiter blieben zum Glück unversehrt, doch Gebäude und Inventar sind komplett zerstört. Dennoch betonte Jöbges für das gesamte Team: „Wir sehen positiv in die Zukunft!“

Das Wasser brachte Schlamm und Unrat mit sich. Es überflutete Fahrzeughalle, Werkstatt, Schreinerei, Umkleiden, Sanitäreinrichtungen, Büro und Aufenthaltsräume. Sie sind nicht mehr zu nutzen. Eine Außenwand des alten Fachwerkgebäudes löste sich heraus und brach zusammen. Die Demolierungen betreffen nicht nur das Gebäude. Großteils zerstört wurde auch der Fuhrpark. 14 Fahrzeuge wie Unimog, Kehrmaschine, Pritschenfahrzeuge, Kleinschlepper oder Aufsitzmäher sind Totalschäden. Zahlreiche Motorgeräte sind unbrauchbar: Freischneider, Heckenscheren, Laubbläser, Rasenmäher, Motorsägen, Rüttelplatten usw.

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Wie hoch der Schaden ist, war Mitte August 2021 (Redaktionsschluss) noch nicht bekannt. „Die Ermittlung der Schadensumme dauert noch an“, sagte Rolf Jöbges. Die Gutachten der beschädigten Fahrzeuge stünden noch aus. Auch der Gebäudeschaden sei noch nicht zu beziffern, jedoch erwäge man einen Neubau. Jöbges ging zu diesem Zeitpunkt von einem Gesamtschaden im dreistelligen Millionenbereich für die Stadt in der Eifel aus. Die entstandenen Kfz-Schäden seien von der Vollkaskoversicherung gedeckt, der Ersatz zerstörter Maschinen und Geräte hingegen nicht. Über die Gründe, warum Gebäude und Inventar nicht durch eine Elementarschadenversicherung abgesichert sind, machte die Stadt keine Angaben. Jöbges sagte: „Künftige Versicherungsabschlüsse werden sicherlich in die Haushaltsberatungen der politischen Entscheidungsgremien einfließen. Auch dazu kann die Verwaltung derzeit aber nichts sagen.“ Zur Regulierung hoffe die Stadt im Kreis Euskirchen auf Mittel seitens des Landes Nordrhein-Westfalen und des Bundes. Vorübergehend wurde eine Halle als Ausweichquartier angemietet, ebenso wie dringend benötigte Maschinen und Fahrzeuge.

Abgeschnitten von der Außenwelt

Als für Mittwoch, den 14. Juli, Starkregen angekündigt wurde, versetzte Simone El Massaoudi ihr Team im Bauhof des Kreis Euskirchen sofort in Rufbereitschaft. Noch während der regulären Dienstzeit meldete die Leitstelle: Kreisstraßen sind unter- und überspült. „Das waren erst die Anfänge von Hochwasser und Starkregen“, sagt die Leiterin des Kreisbauhofs. Vier Mitarbeiter, drei Straßenwärter und eine Straßenwärterin, blieben gleich nach Dienstschluss im Bauhof und begannen mit Straßensperrungen. Im Lauf der Schicht gingen weitere Anrufe ein, das Team konnte die Einsätze noch bewältigen, Verstärkung musste nicht angefordert werden. Schließlich fielen überall Telefon und Mobilnetz aus, auch die Leitstelle selbst war nicht mehr erreichbar. Anrufe gingen nur noch „mit Glück“ ein, sagte Simone El Massaoudi.

Die Wasserhöhe war bereits kritisch, als die Vier aus dem Außendienst zum Bauhof zurückkehrten. Als sie dann gegen 22.30 Uhr den Bauhof wieder verlassen wollten, war die Zufahrtsstraße zum Gelände mit Fahrzeugen bereits nicht mehr passierbar. Die Mitarbeiterin, die ihr eigenes vom Hochwasser bereits betroffenes Haus erreichen wollte, versuchte es mit einem Unimog, musste jedoch nach einigen Kilometern wieder umkehren. „Die Kollegen saßen fest und waren hilflos“, sagte Simone El Massaoudi, die ihrerseits zuhause festsaß, „man kann sich nicht vorstellen, wie das ist“. Glücklicherweise aber war das Bauhofgebäude sicher, auch Strom und Telefon funktionierten noch. Erst nach 24 Stunden war eine Heimkehr über große Umwege möglich. Zuvor hatte das Bereitschaftsteam der eintreffenden Tagschicht noch geholfen, die Fahrzeuge mit Absperrmaterial zu beladen.

Nicht alle Mitarbeiter schafften es an diesem Tag zur Arbeit in den Kreisbauhof, sei es, weil sie selbst betroffen waren oder weil Straßen unpassierbar waren. „Wir mussten den Tag mit den Leuten, die da waren, stemmen“, erinnerte sich Simone El Massaoudi. Nach einiger Zeit sei das Absperrmaterial ausgegangen, eine Baufirma half am Wochenende mit Material aus.

Nach den ersten Sicherungsmaßnahmen begann das Aufräumen. Anfang August arbeiteten die Teams von Bauhof und Abfallwirtschaftszentrum, die sich auf einem Gelände befinden, sieben Tage die Woche, um den in riesigen Mengen angelieferten Sperrmüll anzunehmen. Darüber hinaus war das Team täglich für die Wiederherstellung der Infrastruktur im Einsatz.

Der ganze Landkreis wurde schwer getroffen

Ende Juli 2021 – zwei Wochen nach dem Hochwasser – lieferte Pressesprecher Andres erste Zahlen: 30.000 Tonnen Sperrmüll waren bis dato auf dem Abfallwirtschaftszentrum des Kreises angeliefert worden. „Durch eine Bündelung aller Kräfte, unzählige freiwillige Helfer sowie durch die Unterstützung zahlreicher Organisationen aus ganz Deutschland wie Bundeswehr, THW, Feuerwehren oder das Rote Kreuz konnten die Aufräumarbeiten in den ersten beiden Wochen gute Fortschritte machen“, sagte Andres.

Der Kreisbauhof arbeitete seit 14. Juli eine lange Liste an Aufgaben ab, von der Schadensaufnahme an Kreisstraßen bis zur Beseitigung der Schäden. Das Team von Simone El Massaoudi koordinierte zudem Hilfsangebote und unterstützte in Akutsituationen die Feuerwehr bei Evakuierungsmaßnahmen. Darüber hinaus wurden betroffene Kommunen bei  Schadensaufnahme und Schadensbeseitigung unterstützt. Auch half das Bauhof-Team, wo es ging, mit Fahrzeugen und Geräten aus – in den Gemeinden, deren Bauhöfe selbst Flutschäden erlitten hatten.

Der Originaltext  von Ulrike Reschke erschien in der Oktoberausgabe 2021 der Fachzeitschrift „der bauhofLeiter“. Er ist urheberrechtlich geschützt. Er darf weder ganz noch auszugsweise von Dritten verwendet werden.