Die drei Frauen von der Baustelle

Mädchen in „Männerberufen“ – das ist heute nichts Ungewöhnliches mehr. Doch drei Cousinen aus einem Landkreis im selben Männerberuf sind durchaus etwas Besonderes. Katharina, Sabrina und Elisabeth Schmid haben alle eine Ausbildung zum Zimmerer gemacht. Auch sonst ist das Trio für Ungewöhnliches zu haben.

Das bewiesen sie im Gespräch ebenso wie beim Fototermin. Katharina schnitt bei der Gesellenprüfung als Innungsbeste im Landkreis ab. Offiziell und korrekterweise lautet die Berufsbezeichnung „Zimmerin“, doch das finden die drei doof. Sie wollen als Zimmerer bezeichnet werden, „dann weiß jeder, was gemeint ist“, ungeachtet ihrer langen Haare und dem für den Pressetermin aufgelegten Make-Up – und der durchaus mädchenhaften Vorliebe von besonders Katharina und Elisabeth für Einhörner, mit denen sie ihre Werkzeuge markieren.

Fernsehstars sind die jungen Gesellinnen aus Schwifting und Lechsberg (Asch) auch bereits: Das Bayerische Fernsehen berichtete in der Abendschau über die Cousinen. In dem Beitrag ging es um die Frauenquote im Zimmererhandwerk, die demnach bei nur drei Prozent liegt. Demnächst sind wieder Dreharbeiten angesetzt, dann für die Serie „Weibsbilder“ in der BR-Sendung „Wir in Bayern“, die im September 2021 ausgestrahlt werden soll. Den genauen Termin wissen die drei fröhlichen Mädels in der typischen Berufskluft aus schwarzer Cordhose mit schwarzer Weste aus Cord und weißem Hemd nicht.

LT 3 Zimmerinnen

Frauenpower in der Zimmererwerkstatt

„Mal was Großes machen“
Bei der Ausbildungsmesse in Kaufering entdeckte Katharina Schmid, 21, den Zimmererberuf. Sie begann ein Praktikum bei einem Betrieb in Kaufering, wo sie schließlich auch die Ausbildung machte. „Mir taugt die Arbeit einfach, das macht mir Spaß“, sagt sie. Ihr gefällt die Abwechslung, „mal was Großes, mal was Kleines“ zu machen. Die Aufgaben sind vielfältig: Gebäudeaufstockungen, Ausbauten, Fenstereinbau oder Dachdecken. Die schwere Arbeit erleichtern Maschinen, aber höhenfest müsse man sein, sagen die Mädchen. Die 19-jährige Elisabeth hatte damit anfangs Probleme. Als Kind habe sie sich nicht einmal die Leiter zum Heustock hinaufgetraut, erzählt die Schwiftingerin. „Aber es ist viel Gewöhnungssache und jetzt geht es“, sagt sie. Wenn man durch ein Treppenhaus bis hinunter in eine Tiefgarage sehe, sei das nicht einfach, sagt auch Katharina – und ihre zwei Jahre jüngere Schwester Sabrina ergänzt: „Als Zimmerer sollte man keine Angst haben, sondern Respekt.“

Schon als Kinder arbeiteten die drei gern mit Holz, alle sind auf einem Bauernhof aufgewachsen, sind gern draußen und haben viele gemeinsame Interessen: Nähen, Skifahren, Schießen – Katharina reitet zudem gern. Sabrina arbeitet für ihren Arbeitgeber derzeit am Bürgerzentrum in Denklingen mit. Elisabeth wechselte kürzlich die Firma, um vor der angestrebten Meiserschule möglichst viele Betriebe kennen zu lernen. Alle drei sind die einzigen Frauen im jeweiligen Team, gerade die Anfangszeit sei da hart gewesen, erzählen sie. Viele Männer seien der Ansicht, Frauen hätten auf dem Bau nichts verloren, doch die Cousinen bissen sich durch, wie Elisabeth sagt. „Du brauchst auf jeden Fall ein gutes Mundwerk und darfst dich nicht unterbuttern lassen“, sagt Katharina. Gemeinsam mit ihrer Schwester Sabrina beginnt sie im Herbst die Technikerschule in München und will nebenbei den Meister machen. Ob sie am Wochenende und Abend feiert oder lernt, sei doch egal, sagt sie grinsend.

Dieser Text von Ulrike Reschke erschien am 21. August 2021 im Landsberger Tagblatt. Er ist urheberrechtlich geschützt. Er darf weder ganz noch auszugsweise von Dritten verwendet werden.